Lebendige Worte zum Jahreswechsel

von Ruth Weiss

Ruth Weiss (c) RWG22

Ruths letzte Worte

(an ihren Sohn Alexander)

Was immer das Geheimnis des Lebens sein mag, das uns geschenkt wird und das wir Menschen noch nicht ergründet haben, es ist ein Geschenk, an dem wir uns wirklich erfreuen können.

Es ist absolut zwingend, daß wir nichts tun, was das Leben beschädigt, sondern alles tun, um es zu erhalten und zu beschützen und darauf achten, es auf gesunde und gesund machende Weise zu leben.

Du kannst mit recht fragen: Was habe ich in all diesen Jahren gelernt? Ich habe nur wenige Antworten, aber ich habe immer geglaubt, daß das Allerwichtigste die Liebe zu allen anderen Lebewesen ist.

Die Liebe führt zum Verständnis der anderen und damit zu Freundlichkeit, Sympathie und vor allem zur Sorge für die anderen.

Ich habe mehr und mehr verstanden, daß niemand für sich allein lebt, sondern die Pflicht hat, alle lebenden Dinge zu bewahren, einschließlich der gesamten Erde mit ihren Pflanzen, Flüssen und Meeren. Und dem entgegenzuwirken heißt, unserer eigenen Umwelt entgegenzuwirken und alle Lebewesen und vor allem uns selbst in Gefahr zu bringen.

Die Inschrift über der ‚Halle des Nachrufs‘ des Alten Jüdischen Friedhofs Münster – Sie klingt in diesem Ausschnitt der Abschiedsworte von Ruth Weiss nach, die uns ihr Sohn zu teilen erlaubt hat.