Der Todesengel von São Tomé – Ruth Weiss – Jüdische Geschichte spannend im neuen Roman

Zum Start der Frankfurter Buchmesse 2025 präsentierte der Verlag Edition AV einen spannenden historischen Roman von Ruth Weiss, der letzte, den sie noch selbst auf den Weg brachte, und der leider posthum erschien.

Wie kann eine Entführung vor mehr als 500 Jahren Auswirkungen auf einen heutigen Mordfall haben? ***

Lassen Sie sich ein auf ein kaum bekanntes Kapitel der jüdischen Geschichte Europas – die Entführung mehrerer Tausend Kinder aus sephardisch-jüdischen Flüchtlingsfamilien, die aus dem Spanien der katholischen Könige um die Jahrhundertwende des 15./16. Jahrhunderts nach Portugal flohen. Ihren Familien entrissen, wurden sie per Schiff zur Besiedlung der neuen portugiesischen Kolonie nach Sao Tomé verbracht, wo viele von ihnen nicht überlebten. Wie stets hat Ruth Weiss durch die Einbettung des historischen Bezugs in die jüngste Geschichte und die Verwicklungen eines Mordfalls einen besonderen Spannungsbogen geschaffen!

Ruth Weiss


Der Todesengel von São Tomé


(Kriminal)Roman

ISBN 978-3-86841-281-9
354 Seiten, 18 Euro

Während des Besuchs des UN Beamten Martin Merriman der Insel São Tomé wird der Schriftsteller Gideon Jalles ermordet. Merriman wird durch den Rechtsanwalt Allesio Chapel in die Ermittlungen hineingezogen. Er entdeckt den Text des letzten Romans des Toten, der eine Geschichte aus der Zeit der Vertreibung der Juden aus Spanien nach der „Reconquista“ 1492 erzählt. Der portugiesische König hatte zuerst viele Juden aufgenommen, dann aber 2 000 jüdische Kinder entführt, um mit ihnen und anderen Menschen São Tomé zu besiedeln. Es wird klar, dass der Roman von Jalles auch einen besonderen Bezug zur Gegenwart hatte, eine Spur die schließlich zum Täter führt…

Hier eine spontane Reaktion aus der Leserschaft, die uns im Juli 2026 erreichte:

Es ist mir ein Bedürfnis, [..] meine Eindrücke zum o.a. Roman mitzuteilen. Ich habe Ruths letztes Buch wie gefesselt zu Ende gelesen. Das Thema interessiert mich sehr, und ich habe schon viel darüber gelesen. Wie schade, dass ich es nicht mehr mlt ihr besprechen kann!

Es ist schier unglaublich, wieviele Informationen sie zur portugiesischen Kolonisierung São Tomés und dem  weitgehend unbekannten tragischen  Schicksal der verschickten jüdischen Kinder in einem spannenden Thriller verpackt. Außerdem ist auch  einer von dem portugiesischen Diplomaten Aristides de Sousa Mendes (Konsul in Bordeaux während des zweiten Weltkriegs) geretteten Juden in die Geschichte eingewoben. […] Ruth muss über Jahre in einer schwierigen Quellenlage und ohne portugiesische Sprachkenntnisse recherchiert haben. Alle Achtung!

[M.A.- Name der Redaktion bekannt]

Buchbesprechung re-book.de vom Oktober 2025

„Mit ‚Der Todesengel von São Tomé‚ legt Ruth Weiss ein beeindruckendes Werk vor, das historische Tiefenschärfe mit fesselnder Spannung verbindet.“ 
„Die vielfach ausgezeichnete Autorin lenkt den Blick auf ein weitgehend unbekanntes, erschütterndes Kapitel der europäischen jüdischen Geschichte: die Entführung mehrerer Tausend Kinder aus sephardisch-jüdischen Flüchtlingsfamilien, die zum Ende des 15. Jahrhunderts vor den Verfolgungen in Spanien nach Portugal geflohen waren. Von ihren Familien getrennt, wurden die Kinder in die neue portugiesische Kolonie São Tomé verschifft – viele von ihnen überlebten die Verschleppung und die unmenschlichen Bedingungen nicht.“
„Vor diesem historischen Hintergrund entfaltet Weiss einen modernen Spannungsroman: Während eines Besuchs auf der Insel São Tomé wird der Schriftsteller Gideon Jalles ermordet. Der UN-Beamte Martin Merriman, zufällig vor Ort, gerät durch den Rechtsanwalt Alessio Chapel in den Strudel der Ermittlungen. Als Merriman auf das Manuskript des letzten Romans des Getöteten stößt, enthüllt sich eine Verbindung zwischen der grausamen Geschichte der zwangsweise verschifften jüdischen Kinder und aktuellen politischen Verwicklungen. Schritt für Schritt wird deutlich: Jalles’ literarische Aufarbeitung der Ereignisse von 1492 hatte eine brisante Aktualität – und kostete ihn womöglich das Leben.“
„Ruth Weiss gelingt es meisterhaft, historische Fakten, Gegenwartsbezüge und eine kriminalistische Handlung zu einem eindrucksvollen Roman zu verdichten, der bis zur letzten Seite fesselt und zugleich ein nahezu vergessenes Unrecht ins Licht rückt. Der Todesengel von São Tomé ist ein Buch von großer Relevanz, das Erinnerung bewahrt und zum Nachdenken anregt.“ – Ruth Eising

– Aus dem Mainecho September 2025 mit frdl. Genehmigung / Foto RW privat/RWG –

*** Angela Hagen in ‚Medienprofile‘ Borromäus Verein, 71/2026 Heft 2 fragt in ihrer Rezension: