Ende der Naziherrschaft vor 80 Jahren – Dänische Sonderausgabe des Jütlandkrimis am 5.5. in Berlin

Helden in dunkler Zeit – Dokumentarfilm, Gespräch und Buchvorstellung am 5. Mai 2025 in Berlin, Nordische Botschaften

Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa. In Dänemark wird dem Kriegsende jährlich mit Kerzen im Fenster gedacht. Und in ganz Skandinavien verbindet man den Jahrestag mit Erinnerungen an verbissenen Widerstand und heldenhafte Rettungsaktionen. Eine dieser Geschichten ist die der Weißen Busse, eine waghalsige und beispiellose Befreiungsaktion des Schwedischen Roten Kreuzes, die kurz vor Kriegsende Tausende skandinavische KZ-Häftlinge in Sicherheit brachte.

Doch die drei skandinavischen Länder haben den Krieg auf sehr unterschiedliche Weise überstanden – und ebenso unterschiedlich hat sich ihr Umgang mit der Kriegsgeschichte entwickelt. Jedes Land hat seine eigenen Heldinnen und Helden. Aber auch seine eigenen dunklen Flecken. Gemeinsam ist ihnen vielleicht, dass in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten eine kritische Auseinandersetzung mit den nationalen Narrativen zum Zweiten Weltkrieg zu beobachten ist.

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Ruth Weiss hat einen Roman über den Widerstand junger Menschen gegen die deutschen Besatzer in Dänemark geschrieben, der im letzten Jahr auf deutsch erschien ‚Miss Moore und die Saboteure von Jütland‘.

Hier die Vorworte der dänischen Sonderauflage, für Sie in deutscher übersetzung  :

”Det er en god historie!” -„Das ist eine gute Geschichte!“

Das soll der britische General Richard Dewing gesagt haben, nachdem er im Sommer 1945, als die Befreiung stattfand, die Mitglieder des Churchill-Clubs in Dänemark getroffen hatte. Zweifellos ist es nach wie vor eine gute Geschichte! Eine Geschichte über Mut und Widerstand. Darüber, das zu tun, was sich in einer Zeit, die so falsch war, richtig anfühlte. Aber es ist auch eine Geschichte über Jungen, die ihre Jugend im Kampf für Freiheit und Demokratie opferten. Viele Mitglieder der Gruppe wurden ihr Leben lang von ihren Erfahrungen im Freiheitskampf belastet. Ein Schicksal, das sie mit allzu vielen ihrer Mitstreiter in der dänischen Widerstandsbewegung teilen, für die ich nur den größten Respekt empfinde.
Dass gerade Ruth Weiss sich von der heldenhaften Geschichte des Churchill-Clubs inspirieren ließ, kann nicht überraschen.

Sie hat ihr Leben dem Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit gewidmet. Ein Kampf gegen das, was sie als junge Jüdin in den 1930er Jahren im nationalsozialistischen Deutschland am eigenen Leib und in ihrer Seele erleben musste. Und ein Kampf gegen den Rassismus und die Ausgrenzung, die sie im Apartheid-Südafrika miterlebte.
Es war mir eine große Ehre, ihr im Mai 2024 für ihren unschätzbaren Einsatz als Zeitzeugin das Große Bundesverdienstkreuz zu verleihen.
„Miss Moore und die Saboteure in Jütland“ ist in erster Linie ein Roman.  Aber wenn Ruth Weiss ihre Heldin, die eigenwillige Miss Moore, nach Nordjütland zurückkehren lässt, erhalten wir Leser einen fesselnden Einblick in die Kämpfe, Herausforderungen und Dilemmata der Besatzungszeit – und in die Forderungen der Jugend nach Handeln und Veränderung. Dieses Buch ist ein kleiner Teil der wichtigen Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und seine unvorstellbaren Verbrechen.

In Deutschland wissen wir, dass die Vergangenheit niemals vorbei ist. Dass es für junge Generationen entscheidend ist, unsere Geschichte zu kennen, damit wir niemals Fehler und Verbrechen wiederholen.
Es liegt an uns, unser Jahrhundert zu prägen. In einer Zeit internationaler Herausforderungen lohnt es sich daher, sich daran zu erinnern, was Eigil Astrup Frederiksen, Mitglied des Churchill-Clubs, über seine Erfahrungen während des Krieges sagte: „Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit, und wenn man sie verliert, kostet es Mühe, sie zurückzugewinnen.“
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen.

Der deutsche Botschafter Pascal Hector in Dänemark, Kopenhagen, im Frühjahr 2025

Eine Reihe unglaublicher historischer und biografischer Ereignisse liegt zugrunde dafür, dass wir heute den Kriminalroman „Miss Moore und die Saboteure in Jütland“ der 100-jährigen Ruth Weiss in den Händen halten können.
Zu diesen Ereignissen gehört Ruth Weiss‘ unglaubliche Biografie. Ihr engagierter und lebenslanger Kampf gegen Ungerechtigkeit und Rassismus. Ihre unermüdliche Neugier und Recherche als Journalistin und Autorin. Und ihre Entscheidung, ihren Lebensabend in Dänemark zu verbringen.
Als sie gerade einmal 12 Jahre alt war, mussten Ruth Weiss und ihre jüdische Familie 1936 Nazi-Deutschland verlassen und nach Südafrika auswandern. Hier erlebte sie neue Formen der Ausgrenzung und des Rassismus, und nach einem offenen Kampf gegen das Apartheid-Regime wurde ihr die Einreise in das Land verweigert. Es folgten Jahrzehnte als Journalistin und Schriftstellerin in Zentralafrika und Großbritannien, bevor sie sich im hohen Alter entschloss, in ein Dorf in Nordjütland zu ziehen.

Als erst 12-Jährige mussten Ruth Weiss und ihre jüdische Familie 1936 Nazi-Deutschland verlassen und nach Südafrika auswandern. Dort erlebte sie neue Formen der Ausgrenzung und des Rassismus, und nach einem offenen Kampf gegen das Apartheid-Regime wurde ihr die Einreise in das Land verweigert. Es folgten Jahrzehnte als Journalistin und Schriftstellerin in Zentralafrika und Großbritannien, bevor sie sich im hohen Alter entschloss, in ein Dorf in Nordjütland zu ziehen.
Hier stieß Ruth Weiss auf die unglaubliche Geschichte des Churchill-Clubs aus Aalborg – der ersten organisierten dänischen Widerstandsgruppe, die bereits 1940 begann, die deutsche Besatzungsmacht mit der furchtlosen Kompromisslosigkeit der Jugend zu bekämpfen.
„Die Erwachsenen wollten keinen Widerstand leisten. Deshalb mussten wir es tun!“, sagte Knud Pedersen, eines der Mitglieder der Gruppe, viele Jahre nach dem Krieg. Genau diesen Gedanken verfolgt Ruth Weiss in ihrem Buch.

Ihre Figuren, die stark vom Churchill-Club inspiriert sind, nehmen kein Blatt vor den Mund.
„Junge Menschen, bereit, für ihren König und ihr Land zu sterben“, heißt es in dem Buch.
„Die Mehrheit der Bevölkerung hatte sich gefügt, sie war den schwachen Politikern gefolgt, die beschlossen hatten, mit den Aggressoren zusammenzuarbeiten.“
Gerade in diesem Jahr, in dem „Miss Moore und die Saboteure in Jütland“ in Dänemark veröffentlicht wird, gedenken wir des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs. 80 Jahre sind ein Menschenleben (für die meisten außer Ruth Weiss), aber es ist nach wie vor wichtig, dass wir sowohl über den Wahnsinn des Nationalsozialismus als auch über diesen schwierigen Teil der dänischen Geschichte nachdenken: die Geschichte der Kollaborationspolitik auf der einen Seite. Und die Geschichte des Widerstands und der Heldentaten, die im Laufe des Krieges zunehmend vollbracht wurden, auf der anderen Seite.
Weiss bringt beeindruckend viele Details unter. Sie wechselt effektiv zwischen dem Zweiten Weltkrieg und einem Kriminalfall, der sich 2015 abspielt, dessen Fäden jedoch bis in den Krieg zurückreichen. All dies wird von der pensionierten, aber immer noch hartnäckigen und scharfsinnigen Agentin Miss Moore kühl aufgedeckt.
Selbst in Romanform gelingt es Ruth Weiss somit, die Vergangenheit lebendig zu halten und sie als moralischen Spiegel und Kompass zu nutzen. Eine beeindruckende Leistung einer Frau, deren wichtigste Lebensaufgabe nach eigenen Angaben darin bestand, Rassismus zu bekämpfen und die jüngeren Generationen über die unvorstellbaren Verbrechen des Nationalsozialismus aufzuklären. Damit ist der Freiheitskampf des Churchill-Clubs auch Teil von Ruth Weiss‘ lebenslangem Freiheitskampf geworden. Freiheit von Rassismus, Diskriminierung, Unterdrückung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen!
Berlin im Frühjahr 2025, Thomas Østrup Møller, Botschafter Dänemarks in Deutschland